Informationen für Schülerinnen und Schüler und ihre Eltern
Das angepasste Dalton-Konzept „Einsteinzeit“ unterstützt Schülerinnen und Schüler dabei, zunehmend Verantwortung für den eigenen Lernweg zu übernehmen. Sie lernen, Arbeitsaufträge selbstständig zu planen, Aufgaben eigenverantwortlich zu bearbeiten, bei Schwierigkeiten passende Hilfe zu suchen und den eigenen Lernfortschritt zu reflektieren.
Selbstständiges Lernen bedeutet dabei nicht, dass Schülerinnen und Schüler allein gelassen werden. Die Lehrkräfte stellen in ihrem Fach Lernpläne bereit, begleiten den Lernprozess und geben regelmäßig Rückmeldung. Die Lernbegleitungen unterstützen fachunabhängig.
1. Was sind Einsteinzeiten?
Die Einsteinzeit ist eine im Stundenplan fest eingeplante Lernzeit. In dieser Zeit arbeiten die
Schülerinnen und Schüler selbstständig an Aufgaben aus verschiedenen Fächern, die Teil des
Unterrichts sind.
Die Einsteinzeiten finden derzeit zu folgenden Zeitpunkten statt:
- 30 Minuten am Ende der 2. Stunde
- zu Beginn der 3. Stunde
- zu Beginn der 5. Stunde
- zu Beginn der 7. Stunde
Pro Einsteinzeit wählen die Schülerinnen und Schüler grundsätzlich selbst, für welches Fach sie arbeiten möchten. Ein Raumwechsel ist derzeit nicht vorgesehen. Die Arbeit findet also in der Regel im eigenen Klassenraum statt.
Nach Absprache mit der Lehrkraft können zuverlässige Schülerinnen und Schüler zeitweise auch auf den Bänken außerhalb des Klassenraums arbeiten. Dabei müssen sie sich besonders leise und rücksichtsvoll verhalten. Ob außerhalb des Raumes gearbeitet werden darf, entscheidet die Lehrkraft.
2. Was wird von Schülerinnen und Schülern erwartet?
Die Schülerinnen und Schüler sollen die Einsteinzeit aktiv und verantwortungsvoll nutzen. Dazu gehört:
- Sie bringen die benötigten Materialien mit.
- Sie verschaffen sich einen Überblick über ihre anstehenden Aufgaben.
- Sie entscheiden, welches Fach oder welche Aufgabe sie bearbeiten.
- Sie teilen ihre Arbeitszeit sinnvoll ein.
- Sie beginnen zügig mit der Arbeit und bleiben möglichst konzentriert.
- Sie arbeiten leise und achten auf ihre Mitschülerinnen und Mitschüler.
- Sie versuchen zunächst selbst, Lösungen zu finden.
- Sie nutzen geeignete Hilfen, wenn sie nicht weiterkommen.
- Sie fragen rechtzeitig und gezielt nach Unterstützung.
- Sie dokumentieren erledigte Aufgaben und offene Fragen.
- Sie reflektieren regelmäßig, was bereits gut gelingt und woran sie weiterarbeiten möchten.
Selbstständiges Lernen heißt nicht, jede Schwierigkeit allein lösen zu müssen. Es bedeutet, zunächst eigene Lösungswege zu versuchen und anschließend gezielt Hilfe zu nutzen.
3. Lernpläne
Die Lehrkräfte stellen Lernpläne zur Verfügung. Ein Lernplan kann sich beispielsweise über einen Zeitraum von vier Wochen erstrecken. Er enthält Aufgaben zum:
- Erarbeiten neuer Inhalte
- Üben und Festigen
- Wiederholen
- Vertiefen
- Vorbereiten auf Leistungsüberprüfungen
Die Lernpläne sind nicht an einzelne Unterrichtsstunden gebunden. Der Umfang und die Bearbeitungszeit werden je nach Fach und Lernaufgabe unterschiedlich festgelegt.
Die Schülerinnen und Schüler erhalten die Lernpläne möglichst im Laufe der Woche vor Beginn des jeweiligen Arbeitszeitraums. Die Pläne werden digital über das IServ-Aufgabenmodul, gegebenenfalls zusätzlich in Papierform, bereitgestellt.
4. Aufgaben auswählen und planen
Die Aufgaben eines Lernplans werden so zusammengestellt, dass sie in der zur Verfügung stehenden Einsteinzeit in der Schule bearbeitet werden können. Es handelt sich nicht um Hausaufgaben. Dabei kann es unterschiedliche Möglichkeiten geben, zum Beispiel:
- ein verbindliches Mindestpensum
- zusätzliche Übungs- oder Vertiefungsaufgaben
- Wahlpflichtaufgaben
- längerfristige Aufgaben
- unterschiedliche Schwierigkeitsgrade
- Aufgaben mit verschiedenen Bearbeitungsformen
Die Schülerinnen und Schüler sollen lernen, realistisch zu planen. Sie müssen nicht immer mit der leichtesten Aufgabe beginnen. Hilfreich kann es sein, zunächst die Aufgaben zu markieren, die besonders dringend, schwierig oder zeitaufwendig sind.
5. So kann eine Einsteinzeit ablaufen
Vor der Einsteinzeit
Die Schülerinnen und Schüler:
- sehen den Lernplan und ihre offenen Aufgaben durch,
- überprüfen, welche Materialien sie benötigen,
- wählen eine konkrete Aufgabe aus,
- schätzen ein, wie viel Zeit sie dafür brauchen,
- legen gegebenenfalls ein persönliches Ziel für die Einsteinzeit fest.
Während der Einsteinzeit
Die Schülerinnen und Schüler:
- arbeiten konzentriert und möglichst selbstständig,
- halten die vereinbarten Regeln zur Lautstärke ein,
- nutzen ihre Materialien und Hilfen,
- notieren Fragen oder Schwierigkeiten,
- bitten bei Bedarf gezielt um Unterstützung.
Nach der Einsteinzeit
Die Schülerinnen und Schüler:
- überprüfen, was sie geschafft haben,
- haken erledigte Aufgaben ab,
- notieren offene Arbeitsschritte,
- halten gegebenenfalls fest, wobei sie noch Hilfe benötigen,
- planen, wann und wie sie an der Aufgabe weiterarbeiten.
6. Unterstützung und Rückmeldung
Die Sicherung und Rückmeldung zu den Aufgaben kann je nach Fach und Aufgabe unterschiedlich erfolgen. Möglich sind beispielsweise:
- Besprechungen im Unterricht
- gemeinsame Lösungs- oder Ergebniskontrollen
- kurze Gespräche mit der Lehrkraft
- Abgaben über IServ
- digitale Rückmeldungen
- Präsentationen oder Lernprodukte
- Selbst- und Partnerkontrollen
- kurze Tests oder Lernstandsüberprüfungen
In begründeten Einzelfällen kann eine Schülerin oder ein Schüler zeitweise verpflichtet werden, die Einsteinzeit unter engerer Begleitung einer Lehrkraft zu verbringen. Diese Unterstützung soll helfen, Lernschwierigkeiten gezielt zu bearbeiten.
7. Lernbegleitungsgespräche
Ein wichtiger Bestandteil des Konzepts sind regelmäßige Lernbegleitungsgespräche. Dabei geht es nicht in erster Linie um ein bestimmtes Fach, sondern um das persönliche Lernen insgesamt.
In den Gesprächen wird gemeinsam betrachtet:
- Was gelingt beim selbstständigen Arbeiten bereits gut?
- Wo liegen persönliche Stärken?
- Welche Schwierigkeiten treten auf?
- Wie werden die Einsteinzeiten bisher genutzt?
- Welche Lernstrategien helfen?
- Was kann beim nächsten Mal verändert werden?
- Welches konkrete Ziel wird für die nächste Zeit vereinbart?
Die Lernbegleitung wird von den Fachlehrkräften übernommen. Die Zuordnung richtet sich nach dem jeweiligen Stundenanteil der Lehrkraft in der Klasse.
Die Gespräche finden in der Regel alle vier Wochen während einer Einsteinzeit statt.
Ablauf eines Lernbegleitungsgesprächs
1. Die Schülerin oder der Schüler bereitet sich mithilfe des Reflexionsbogens vor.
2. Die Schülerin oder der Schüler beginnt das Gespräch und berichtet über die eigenen Erfahrungen.
3. Die Lehrkraft hört zu, fragt nach und unterstützt bei der Reflexion.
4. Gemeinsam werden konkrete Ziele oder nächste Schritte vereinbart.
5. Ein Folgetermin wird festgelegt.
Die Schülerinnen und Schüler sollen sich auf die Gespräche vorbereiten und eigene Fragen oder Themen mitbringen. So können sie aktiv Verantwortung für ihre Lernentwicklung übernehmen.
8. Planungshilfen
Für die Planung können verschiedene Hilfen genutzt werden, zum Beispiel:
- Lernplan
- Wochenübersicht
- Aufgabenliste
- Kalender
- Checkliste
- digitale Erinnerungen
- persönliche Prioritätenliste
- Reflexionsbogen
Derzeit gibt es keinen verbindlichen einheitlichen Planer. Die Schülerinnen und Schüler sollten deshalb gemeinsam mit ihren Lehrkräften überlegen, welche Planungshilfe für sie persönlich geeignet ist.
9. Hinweise für Eltern
Eltern können das selbstständige Lernen unterstützen, indem sie ihr Kind regelmäßig fragen:
- Welche Aufgaben stehen in deinem Lernplan?
- Was möchtest du diese Woche schaffen?
- Welche Aufgabe ist besonders wichtig?
- Was hast du bereits erledigt?
- Wo brauchst du Unterstützung?
- Was hat bei deiner Planung gut funktioniert?
- Was möchtest du beim nächsten Mal anders machen?
Hilfreich ist es, Interesse zu zeigen, ohne die Aufgaben zu übernehmen. Eltern können beim Strukturieren, Planen und Reflektieren unterstützen. Die Verantwortung für die Bearbeitung der Aufgaben bleibt jedoch bei der Schülerin oder beim Schüler.
Bei wiederkehrenden Schwierigkeiten ist ein Austausch mit der Klassenleitung sinnvoll. Auch die Fachlehrkräfte können angesprochen werden, wenn es Fragen zu einem Lernplan, einer Aufgabe oder einer Rückmeldung gibt.
10. Gemeinsame Verantwortung
Das Gelingen des selbstständigen Lernens ist eine gemeinsame Aufgabe:
- Die Schülerinnen und Schüler planen, arbeiten, reflektieren und suchen aktiv nach Lösungen.
- Die Lehrkräfte stellen passende Aufgaben bereit, strukturieren die Lernzeit, begleiten den Lernprozess und geben Rückmeldungen.
- Die Eltern unterstützen bei der Organisation, interessieren sich für den Lernprozess und stärken die zunehmende Selbstständigkeit.